
Schlaraffen, hört!
Wer Sorgen hat, hat auch Likör
Es ist ein Brauch von Alters her,
Wer Sorgen hat, hat auch Likör.
Dem Ehrenritter Huckebeyn
Fielen diese Worte ein.
Er wurde Wilhelm Busch genannt
Und ist im ganzen Land bekannt.
Mit spitzer Feder er notiert,
Warum im Leben viel passiert.
Fleißig stellt er dann sogar
Den ganzen Vorgang bildlich dar.
So können schon die Kleinen sehen,
Wo Ungemach im Leben lauert,
Auch wenn sie es noch nicht verstehen,
Weil Lesen lernen doch noch dauert.
Manches, was als Streich gedacht,
Hat letztlich viel Verdruss gebracht.
Doch es kommt, wie’s kommen muss,
Die Strafe folgt stets auf dem Fuß.
Geht es um Sorgen allgemein,
Fällt mir gleich die Helene ein.
Helene führt ein frommes Leben,
Doch hatte sie wohl eine Not:
Sie war dem Alkohol erlegen,
Letztendlich war sie deshalb tot.
Ich hebe ganz bewusst hervor:
Huckebein hat stets Humor.
Selbst bei ausweglosen Sachen
Findet er noch Grund zum Lachen.
Es ist ein schwarzer, ein Galgenhumor.
Ein Gedicht von ihm stelle ich euch vor:
Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel näher.
Der Vogel denkt: Weil das so ist,
und weil mich doch der Kater frisst,
So will ich keine Zeit verlieren,
will noch ein wenig quinquilieren,
und lustig pfeifen wie zuvor. –
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.
Nachwort: Wilhelm Busch wurde am 15. April 1832 in Wiedensahl geboren, in Niedersachsen nördlich von Stadthagen. Seine letzte Ruhestätte fand er in Mechtshausen bei Seesen im Harz, wo er bis zu seinem Todestag am 09. Januar 1908 lebte. Das Hohe Reich Hildesia (190) führt jedes Jahr einen Huckebeynritt durch, bei dem am Grab des Dichters ein Kranz niedergelegt wird und eine Ehrung erfogt. Im Anschluss wird ein Huckebeyn-Tourney abgehalten.
Lulu